Es grüßt der rote Hahn

                Metas Ruh                                 Foto: W. Seiler                

Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Erster Teil: Die Grafschaft Ruppin

- Kapitel 18

Die Menzer Forst und der Große Stechlin

Tausend Schritte weiter südwärts, da, wo sich ein paar Wege kreuzen und das ansteigende Terrain einen Überblick über eine Lichtung und ein inmitten derselben gelegenes Wasserbecken gestattete, fiel uns eine parkartige, von alten Eichen überragte Einfriedigung auf, an deren Front wir, als wir hielten und abgestiegen waren, die Worte »Metas Ruh« lasen und leicht erkannten, daß wir uns hier auf dem Friedhofe der Glashüttenaristokratie dieser Gegenden befinden müßten. Aber »Metas Ruh« (soviel leuchtete kaum weniger ein) konnte nicht wohl die Bezeichnung für diesen Begräbnisplatz überhaupt, sondern nur der Name für jenen seltsamen Bau sein, der sich inmitten dieses Eichenkampes erhob. Hohlwegartig, die Seitenwände gemauert lief in leiser Schrägung ein absteigender Gang auf eine Gittertüre zu, hinter der wir leidlich bequem in das Dunkel einer rundgewölbten Gruft blicken konnten. Drei, vier Särge waren sichtbar. Über diesen Tatbestand hinaus aber schien unsere Neugier nicht befriedigt werden zu sollen

Inschrift in Metas Ruh

Dieses Grabgewölbe baute seiner Gattin

Anna Meta Catharina Noack

geborene Neuwertz

geb. zu Altona d. 24. Novbr. 1806, gest. zu Spandau d. 22. Jan. 1832

die

ausgezeichnet durch äußere Reize, Schärfe des Verstandes, musikalisches Talent und ungewöhnliche Kenntnisse, vor allem aber durch ein ungemein liebevolles Wesen, gepaart mit großer Herzensgüte, Sinn für Häuslichkeit und wahrer Frömmigkeit zur Krone der Frauen gehörte,

mit welcher er – schon in den Kinderjahren befreundet – sich am 23. März 1823 verlobte, am 19. März 1831 aber verheiratet hatte, und so durch noch Hinzukommen äußerer günstiger Verhältnisse, unbedingt zehn Monate hindurch der glücklichste Mensch war,

so wie seinem Sohne,

Johannes Meta Hermann Noack

geb. zu Spandau d. 16. Jan. 1832, gest. ebendaselbst d. 24. Octbr. 1832

einem lieblichen, blühenden, überaus starkem Kinde, von auffallenden geistigen Anlagen

der für diese Welt auf immer gebeugte Gatte und Vater

Johann Heinrich August Noack

Königlicher Preußischer Garnison Auditeur von Spandau

geb. zu Berlin d. 24. Juli 1801, gest.

welcher sich nach Wiedervereinigung mit seinen Lieben, bei seinem himmlischen Vater und seinem Sohn, Jesu Christo, innig sehnet!

den 24. November 1833